Problemstellung
Die Umrüstung des Flughafens Wien auf einen effizienten „Schengenbetrieb" stellte Verantwortliche und Mitarbeiter sowohl in der Planungs- als auch in der Betriebsphase vor neue Aufgaben. Um einerseits die damit verbundenen unbekannten Situationen im Passagierbereich frühzeitig kennenzulernen und andererseits entsprechende Strategien für die Erhaltung eines optimalen Passagierservicegrads testen zu können, sollte ein Simulationsmodell mit einem entsprechenden Detaillierungsgrad entwickelt werden.
ZIELSETZUNG
Die Umstellung auf Schengen Betrieb erforderte hinsichtlich des Passagierflusses einen Umdenkprozess. Die Aufgabe der Planer war es daher, die bestehende Infrastruktur des Flughafens so umzugestalten, daß ein effizienter und passagierfreundlicher Schengenbetrieb möglich ist. Der Flughafen Wien besteht im wesentlichen aus dem Pier Ost und West mit 8 bzw. 12 Piergates und 22 Busgates für Schengenpassagiere und 10 Busgates für den inter-nationalen Verkehr. Um eine Abfertigung von Flügen mit wechselnder Rotation Schengen/International oder umgekehrt bei kurzen Umsteigezeiten zu ermöglichen, wurden sogenannte Wechselgates am Pier West geschaffen. Für die Planer waren die Wechselbeziehungen der physischen Trennung der Passagierströme (Schengen und International) von großem Interesse. Das Simulationsmodell sollte sichere Antworten auf folgende Fragen geben:
• Wo treten kostenintensive und unerkannte Komplexitäten in den operativen Abläufen auf ?
• Welche Strategien führen zu einem kostengünstigen Betrieb bei gleichzeitiger Gewährleistung eines optimalen Passagierservicegrads ?
• Sind die geplanten Flächen wie jene der Gates, Transferräume und Korridore ausreichend ?
• Welchen Einfluß haben Kapazitäten des Servicepersonals auf den Passagierfluss ?
Mit Hilfe der graphischen Animation können Passagierflüsse in allen zu interessierenden Bereichen realitätsnah dargestellt und auf eventuelle Engpässe untersucht werden. Der Modellentwicklung ging eine funktionelle Spezifikation und eine umfangreiche Datenanalyse voraus. Es wurden ca. 8 Mill. Daten analysiert. Die analysierten und durch Verteilungsfunktionen abgebildeten Daten steuern im Computermodell den Passagierfluß entsprechend den funktionalen und örtlich neuen und realen Gegebenheiten. Verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Parametern wie zB. Servicezeiten, Personalbesetzungsgrade, Anzahl und Kapazitäten der Shuttlebusse wurden durchgespielt.
ERGEBNIS
Die genaue Analyse der Simulationsergebnisse bestätigte bis auf wenige Ausnahmen die operative Funktionalität des Wiener Flughafens unter „Schengen Bedingungen" und gab wertvolle Hinweise für die notwendige Besetzung einzelner Servicestationen wie Passkontrollen und Shuttledienste etc. Der Einsatz der Simulation zwang das Projektteam die erforderlichen Daten genauestens aufzubereiten. Die Projektverantwortlichen und Behörden bekamen Einsichten in die multikausalen zeitdynamischen Zusammenhänge des neuen Realsystems.
Dir. Mag. P. Bolech, Flughafen Wien: Wir verdanken die reibungslose und erfolgreiche Einführung des Schengener Abkommens
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